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Text: Johann Wolfgang von Goethe

Ich mache diese wunderbare Reise nicht, um mich selbst zu betriegen,
sondern um mich an den Gegenständen kennen zu lernen.
Verona, den 16. September 1786, Johann Wolfgang von Goethe

Die von dem Präsidenten für die heutige Sitzung aufgegebene Frage war,
ob Erfindung oder Nachahmung den schönen Künsten mehr Vorteil gebracht habe.
Verona, den 22. September 1786, Johann Wolfgang von Goethe

Meine alte Gabe, die Welt mit Augen desjenigen Malers zu sehen,
dessen Bilder ich mir eben eingedrückt, brachte mich auf einen eigenen Gedanken.
Venedig, den 8. Oktober 1786, Johann Wolfgang von Goethe

Ich fühle mich unwiderstehlich vorwärts gezogen,
nur mit Mühe sammle ich mich an dem Gegenwärtigen.
Bologna, den 20. Oktober 1786, Johann Wolfgang von Goethe

Der Mensch muß sich nicht auf eine einzige Sache heften, denn da wird er toll,
man muß tausend Sachen, eine Konfusion im Kopfe haben.
Perugia, den 25. Oktober, Johann Wolfgang von Goethe

Das steht nun alles totgeboren da, denn was nicht eine wahre innere Existenz hat,
hat kein Leben und kann nicht groß sein und nicht groß werden.
Terni, den 27. Oktober 1786, Johann Wolfgang von Goethe

Ja, ich bin endlich
in dieser Hauptstadt der Welt angelangt!
Rom, den 1. November 1786, Johann Wolfgang von Goethe

Denn es geht, man darf wohl sagen, ein neues Leben an, wenn man
das Ganze mit Augen sieht, das man teilweise in- und auswendig kennt.
Rom, den 1. November 1786, Johann Wolfgang von Goethe

Und bei allem dem seh‘ ich voraus, daß ich wünschen werde,
anzukommen, wenn ich weggehe.
Rom, den 7. November 1786, Johann Wolfgang von Goethe

Ich dachte wohl, hier was Rechtes zu lernen; daß ich aber so weit in die Schule zurückgehen,
daß ich so viel verlernen, ja durchaus umlernen müßte, dachte ich nicht.
Rom, den 13. Dezember 1786, Johann Wolfgang von Goethe

Besonders liest sich Geschichte von hier aus ganz anders
als an jedem Orte der Welt.
Rom, den 29. Dezember 1786, Johann Wolfgang von Goethe

Von dem deutschen Kunstsinn und dem dortigen Kunstleben kann man wohl sagen:
man hört läuten, aber nicht zusammenklingen.
Rom, den 22. Januar 1787, Johann Wolfgang von Goethe

Ich benutze die Augenblicke zwischen dem Einpacken,
um noch einiges nachzuholen.
Rom, den 21. Februar 1787, Johann Wolfgang von Goethe

Alles ist auf der Straße, sitzt in der Sonne,
so lange sie scheinen will.
Neapel, den 25. Februar 1787, Johann Wolfgang von Goethe

Da mein Aufenthalt in Neapel nicht lange dauern wird,
so nehme ich gleich die entfernteren Punkte zuerst, das Nähere gibt sich.
Neapel, den 11. März 1787, Johann Wolfgang von Goethe

Augenblickliche Befriedigung, mäßiger Genuß,
vorübergehender Leiden heiteres Dulden!
Neapel, den 12. März 1787, Johann Wolfgang von Goethe

Ich habe viel gesehen und noch mehr gedacht: die Welt eröffnet sich mehr und mehr,
auch alles, was ich schon lange gewiß, wird mir erst eigen.
Neapel, den 17. März 1787, Johann Wolfgang von Goethe

Das Schreckliche zum Schönen, das Schöne zum Schrecklichen,
beides hebt einander auf und bringt eine gleichgültige Empfindung hervor.
Neapel, den 20. März 1787, Johann Wolfgang von Goethe

Gewiß, es wäre besser, ich käme gar nicht wieder,
wenn ich nicht wiedergeboren zurückkommen kann.
Neapel, den 22. März 1787, Johann Wolfgang von Goethe

Reisen lern‘ ich wohl auf dieser Reise,
ob ich leben lerne, weiß ich nicht.
Neapel, den 26. März 1787, Johann Wolfgang von Goethe

Hat man sich nicht ringsum vom Meere umgeben gesehen,
so hat man keinen Begriff von Welt und von seinem Verhältnis zur Welt.
Palermo, den 3. April 1787, Johann Wolfgang von Goethe

Wieviel malerische Reisen mögen
dergleichen Halbwahrheiten enthalten.
Catania, den 1. Mai 1787, Johann Wolfgang von Goethe

Der Inselzustand hat doch immer etwas Einsames,
nur durch vorübergehende Teilnahme aufgefrischt und erhalten.
Catania, den 3. Mai 1787, Johann Wolfgang von Goethe

Der Erzählende muß alles einzeln hinstellen:
wie soll daraus in der Seele des Dritten ein Ganzes gebildet werden?
Unterwegs, den 4. Juni 1787, Johann Wolfgang von Goethe
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